Digitalisierung

Digitale Wirtschaft

Die Anwendung moderner Informations- und Kommunikationstechnik (kurz: IKT) sowie die IKT-Branche selbst werden in einer zunehmend vernetzten Welt für Nord-Westfalen weiter deutlich an Bedeutung gewinnen. Einige wenige Zukunftsthemen sind Cloud- und Mobile Computing oder Industrie 4.0. Daher hat die IHK die aktuelle Situation der IKT-Wirtschaft in der Emscher-Lippe-Region und im Münsterland analysiert. Die Studie „Digitale Wirtschaft in Nord-Westfalen - Daten, Fakten, Trends“ liefert vielfältige Einblicke und zeigt Handlungsbedarfe.
Im Kern ist Nord-Westfalen im Bereich IKT gut aufgestellt:
  • Im Jahre 2013 waren 17.200 Beschäftigte in der IKT-Branche tätig.
  • Hinzu kommen 12.000 weitere IKT-Erwerbstätige in den IT-Abteilungen von Unternehmen und Institutionen sowie IKT-Freiberufler und Selbstständige.
  • IKT-Firmen gibt es im IHK-Bezirk 6.400.

Top-Standort Münster

Allerdings ist ihr regionales Gewicht (2,1 Prozent) – gemessen am Anteil an der Gesamtbeschäftigung – im Vergleich zum Land NRW (3,4 Prozent) oder zum Bund (3,4 Prozent) eher unterdurchschnittlich. Hier wären Verbesserungen in Zukunft durchaus erstrebenswert. Die unterdurchschnittliche Position der Region ergibt sich auch, obwohl die Stadt Münster ein Topstandort der IKT-Branche in Deutschland ist.
Fast die Hälfte der gut 17.000 Mitarbeiter der heimischen IKT-Branche ist in Münster beschäftigt (46 Prozent), 16 Prozent sind es im Kreis Borken, elf Prozent im Kreis Recklinghausen.
Betrachtet man die Stadt Münster für sich allein, fällt auf, dass sie einen sehr hohen Anteil von Beschäftigten in der IKT-Branche aufzuweisen hat. Er beträgt 5,3 Prozent an allen Beschäftigten in der Stadt. Damit ist Münster – sowohl im NRW-Vergleich als auch auf Bundesebene – ein TOP-Standort der Informations- und Kommunikations-Branche. Das wird unter anderem vom Fraunhofer-Institut bestätigt. Der „Software-Atlas“ von Fraunhofer (2012) führt Münster auf Platz zwölf unter den 25 Top-Standorten der Software- und IT-Dienstleistungsbranche in Deutschland.

Anwender zufrieden mit regionalen Dienstleistern

Neben der Auswertung der amtlichen Statistik liefern ausführliche Umfragen in der IKT-Branche und bei den Anwendern von Informations- und Kommunikationstechnologie in Nord-Westfalen viele interessante Ergebnisse.
Fast 70 Prozent der Anwender geben an, ausschließlich oder überwiegend mit IKT-Anbietern aus dem Münsterland oder der Emscher-Lippe-Region zusammenzuarbeiten. Als wesentlicher Hauptgrund wird „räumliche Nähe / bessere Zusammenarbeit“ angeführt. Weiterhin werden hohe Qualifikation und Leistungsfähigkeit der Dienstleister vor Ort genannt. Die Anwender stellen damit der Branche vor Ort ein insgesamt gutes Zeugnis aus.
Der Geschäftserfolg ist heutzutage abhängig von IKT. Das bestätigen fast alle Anwender-Unternehmen. Zwei von drei Firmen beurteilen die Bedeutung von IKT für den eigenen Geschäftserfolg mit „sehr wichtig“, jede vierte mit „wichtig“. Allein bei den 230 antwortenden Anwender-Betrieben sind etwa 3.000 Personen im firmeneigenen IKT-Bereich beschäftigt. Ihre Zahl soll in Zukunft weiter anwachsen.
Die Einschätzungen von IKT-Anbietern und –Anwendern zu den IKT-Trends der nächsten drei Jahre unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Wichtigkeit nur relativ wenig: Am wichtigsten sind beiden Gruppen die Themen Software und IT-Services sowie IT-Sicherheit. Jeweils auf Rang vier wird Breitband genannt. Am Ende rangiert Green-IT.

Risikofaktor Fachkräftemangel


Einen breiten Raum in der IHK-Untersuchung nimmt das Thema Fachkräftemangel ein. Sowohl IKT-Anbieter als auch IKT-Nachfrager sehen im Fachkräftemangel das weitaus größte Risiko für das eigene Unternehmen. Dabei haben die Unternehmen der IKT-Branche bereits heute einen großen Mangel an IKT-Fachleuten zu verzeichnen. Er wird nach ihrer Einschätzung zukünftig noch wesentlich zunehmen. Sie befürchten dadurch nachhaltige Bremswirkungen für ihre eigene betriebliche Entwicklung.
Voraussichtlich am meisten gesucht werden in den nächsten drei Jahren die IKT-Berufsbilder Systemintegratoren und –administratoren sowie Softwareentwickler. Zudem wünschen sich die Unternehmen als bevorzugtes Ausbildungsniveau Mitarbeiter mit betrieblicher Ausbildung (duale Berufsausbildung). Erst danach folgen die Ausbildungswege Fachhochschule, duales Studium und Hochschulabschluss/Universität.
Für die IKT-Branche in Nord-Westfalen sind Fachkräfte der Standortfaktor Nummer Eins. In Erwartung erheblich zunehmender Engpässe bei IKT-Fachleuten besteht daher besonders in diesem Bereich großer Handlungsbedarf in der Region. Als besonders wichtige Maßnahmen werden von den IKT-Firmen genannt: Mehr eigene (betriebliche) Ausbildung, Steigerung der Arbeitgeberattraktivität, mehr Weiterbildung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern. Häufig wird zusätzlich vorgeschlagen: Besserer IKT-Unterricht an Schulen und Hochschulen, mehr MINT-Fächer, mehr Werbung für IKT-Berufe, Standortmarketing für eine attraktive Wirtschaftsregion und mehr Frauen für IKT-Berufe begeistern.
Die Anwender von Informations- und Kommunikationstechnik verfolgen eine andere Strategie zur Bewältigung des IKT-Fachkräftemangels. Sie wollen IKT-Themen vor allem an Dienstleister outsourcen. Sehr fraglich wird nur sein, ob diese selbst zukünftig ausreichend qualifiziertes Personal haben werden, um die zusätzlichen Aufträge kompetent erledigen zu können.

Breitbandinfrastruktur ausbaufähig

Für die Unternehmen sind Breitbandanbindungen der zweitwichtigste Standortfaktor. Zahlreiche Firmen sind mit ihrer Qualität nicht zufrieden. Jeder vierte Betrieb hält sie nur für ausreichend oder gar mangelhaft (10 Prozent „mangelhaft“). Bedenkt man zusätzlich, dass die überwiegende Anzahl der antwortenden Unternehmen aus den tendenziell gut versorgten größeren Städten, insbesondere der Stadt Münster und der Emscher-Lippe-Region stammen, dürfte die Güte der Breitbandversorgung, vor allem was die Fläche betrifft, überschätzt worden sein. Da sich die Unternehmen zudem von allen verfügbaren Maßnahmen zur Stärkung des IKT-Standortes Nord-Westfalen am weitaus häufigsten für den Ausbau der Breitbandinfrastruktur aussprechen, besteht auch bei diesem Thema dringender Handlungsbedarf.