15. Mai 2017

Was die Wirtschaft erwartet

IHK Nord Westfalen zum Ausgang der NRW-Landtagswahl

Münster/Düsseldorf. – Die neue nordrhein-westfälische Landesregierung sollte sich nach Meinung der regionalen Wirtschaft vor allem um Bildung und Fachkräftesicherung kümmern. Nach einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen besteht hier der größte Handlungsbedarf, um die Position des bevölkerungsreichsten Bundeslandes im bundesweiten Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte zu behaupten oder zu verbessern. Fast genauso wichtig ist für die Unternehmen die Verbesserung der Infrastruktur. Zu den drei wirtschaftspolitischen Topthemen gehört zudem der Bürokratieabbau.
„Es wird immer schwerer für die Unternehmen, Fachkräfte zu finden“, sagt IHK-Präsident Dr. Benedikt Hüffer, „sie bekommen die demografische Entwicklung tagtäglich stärker zu spüren.“ Die anhaltend gute Konjunktur verstärke das Problem zusätzlich. Für über 64 Prozent der Unternehmen gehört deshalb die Lösung der Probleme in „Bildung und Fachkräftesicherung“ zu den drei wichtigsten politischen Handlungsfeldern, nach denen die IHK gefragt hat.
An zweiter Stelle steht: „Infrastruktur, insbesondere Verkehr und Gewerbeflächen“. 59 Prozent der Unternehmen sehen hier dringenden Handlungsbedarf für die neue Landesregierung. „Unternehmen benötigen Platz für Erweiterungen und Wirtschaftsstandorte müssen in kalkulierbarer Zeit erreichbar sein“, sagt Hüffer. Das Umfrageergebnis zeige, „dass die Unternehmen hier Probleme sehen“.
Auf Platz drei setzten die Unternehmen das Thema Bürokratieabbau (38 Prozent). Trotz der Bemühungen verschiedener Regierungen um einen Abbau der Bürokratie steige die Belastung durch Auskunftspflichten und Compliance-Anforderungen weiter, so der IHK-Präsident: Wer in Deutschland ein Unternehmen gründet, muss nach einer Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (E&Y) bis zu 1.400 Datenfelder ausfüllen. Nach Einschätzung von E&Y ließen sich 85 Prozent der Daten einsparen. Jüngst haben besonders die Aufzeichnungs- und Meldeanforderungen im Gastgewerbe für Diskussionen gesorgt (Mindestlohnanforderungen, Arbeitszeitdokumentation, Hygieneampel, Brandschutzbeauftragter, Allergenkennzeichnung, Nachweispflichten für gekühlte Waren etc.).
Auf die weiteren Plätzen bei der Frage nach den wichtigsten drei Handlungsfeldern für die neue Landesregierung wählten die Unternehmen (Mehrfachnennungen): Haushaltskonsolidierung (33 Prozent), Breitband (28), Digitalisierung (26), Investitionskraft Land/Kommunen (15) sowie Forschung und Innovation (12), Energie und Umwelt (beide 6 Prozent).
„Es geht bei den drei Top-Themen im Kern um die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft – eine ausreichende Zahl gut ausgebildeter Fachkräfte, eine leistungsfähige Infrastruktur und die Freiräume für den Mittelstand, damit er die kommenden Herausforderungen ohne übermäßige bürokratische Lasten bewältigen kann“, resümiert IHK-Hauptgeschäftsführer Karl-Friedrich Schulte-Uebbing. „Nur wenn auf diesen Politikfeldern Verbesserungen erzielt werden, kann der Wirtschaftsstandort Nord-Westfalen im vollen Umfang auch von der guten Konjunktur profitieren“, folgert er aus der Umfrage, an der sich 109 Unternehmen beteiligt haben.

Foto/Bildzeile:

Dr. Benedikt Hüffer, Präsident der IHK Nord Westfalen
Karl-Friedrich Schulte-Uebbing, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen