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Dienstag, 22.05.2012

Seiten-Nummer: P00833

.Verkehrslandeplatz im Westmünsterland

(Bild: IHK)

Verkehrslandeplatz Stadtlohn/Vreden 

Der Verkehrslandeplatz Stadtlohn/Vreden gehört zu den 10 in Nordrhein-Westfalen festgelegten Schwerpunktlandeplätzen für den Geschäftsreiseverkehr. Um diese Funktion auch zukünftig wahrnehmen zu können, ist nach den EU-Vorschriften JAR-OPS 1 eine Verlängerung der Start- und Landebahn auf 1800 m erforderlich. Die gültige Luftverkehrskonzeption des Landes sieht diese Maßnahme ausdrücklich vor. 


Wirtschaft unterstreicht Bedeutung des Flugplatzes

"Stadtlohn/Vreden ausbauen wie geplant"

Der Ausbau des Verkehrslandeplatzes Stadtlohn/Vreden hat für die wirtschaftliche Entwicklung im Westmünsterland höchste Priorität. Das verdeutlichten heute (3. März) Unternehmer und Interessenvertreter der regionalen Wirtschaft bei einem Besuch des Flugplatzes.

 

Rechtliche Voraussetzung für den Ausbau geschaffen
Das Land NRW hat Anfang Dezember 2008 die rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass mit dem Bau der verlängerten Start- und Landebahn begonnen werden darf. Eine Fläche am Rand des erforderlichen Sicherheitsbereichs von 75 Metern beiderseits der Landebahnmitte befindet sich noch nicht im Eigentum der Besitzgesellschaft. Trotzdem sind die Fördergelder nicht in Gefahr. Über die genaue Vorgehensweise werden die Gremien des Kreises Borken Anfang 2009 entscheiden.

Erste Gelder für den Flugplatzausbau
Zum Jahreswechsel 2007/2008 überwies das Land NRW 233 000 Euro für den Kauf der östlichen Erweiterungsflächen, damit auch die Rollbahn angepasst werden kann. Das Geld stammt noch aus dem Haushalt 2007. Weitere Zuschüsse sollen noch im Frühjahr folgen. Die Betreibergesellschaft strebt noch für dieses Jahr die Fertigstellung der Verlängerung der Start- und Landebahn an. Zunächst müsse eine Wasserleitung auf dem Gelände verlegt werden, was zwei bis drei Monate in Anspruch nehme. Daran könnten sich die eigentlichen Baumaßnahmen an Roll- sowie Start- und Landebahn anschließen. Die Gesamtinvestition von ca. 8 Mio. Euro wird je zur Hälfte vom Land NRW und vom Kreis Borken finanziert.

Genehmigung am 13. 12. 2006 erteilt
Die Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen begrüßt die Genehmigung vom 13. 12. 2006 der Bezirksregierung Münster für die Verlängerung der Start- und Landebahn des Flugplatzes Stadtlohn/Vreden. „Nun haben die Unternehmen im westlichen Münsterland endlich Planungssicherheit“, zeigt sich Hermann Grewer, Vorsitzender des IHK-Verkehrsausschusses, erleichtert. Der Verkehrsausschuss hatte erst vor wenigen Tagen während einer Sitzung in Gescher die wachsende Bedeutung des Geschäftsreiseflugverkehrs mit kleinen Flugzeugen und die Notwendigkeit einer schnellen Ausbaugenehmigung für den Verkehrslandeplatz unterstrichen.
 „Die sich dynamisch entwickelnden Wirtschaftsbeziehungen mit den mittel- und osteuropäischen Staaten führen bei den Unternehmen zu ganz neuen Mobilitätsbedürfnissen“, betonte der Geschäftsführer der Hermann Grewer Spedition (Gelsenkirchen), der während der Sitzung ebenso wie sein Stellvertreter Gerd Stöwer, Geschäftsführer des Flughafens Münster/Osnabrück, von den Mitgliedern für weitere drei Jahre in seinem Amt bestätigt worden war. Viele osteuropäische Wirtschaftsregionen seien mit den Jet-Verbindungen der großen Linienfluggesellschaften nur schlecht oder gar nicht zu erreichen, so der Ausschussvorsitzende. Dies führe zu einer verstärkten Nachfrage nach individuellen Angeboten mit kleinen Charterflugzeugen, die auch auf den kürzeren Pisten kleinerer Airports starten und landen können. Mit der Entscheidung des Kreises Borken, die erforderlichen Eigenmittel für die aus EU-rechtlichen Gründen notwendige Verlängerung der Landebahn bereitzustellen und der jetzt erfolgten Genehmigung durch die Bezirksregierung Münster sei eine wichtige Weichenstellung zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes erfolgt.

Genehmigt wird damit die Änderung der Start-/Landebahn von bisher 980 x 20 Meter auf neu 1.800 x 30 Meter mit je Seite um 300 Meter nach innen vesetzten Schwellen. Die Rollbahn wird von 7,5 auf 10,5 Meter Breite mit Anbindung an die Start- und Landebahn im Osten und Westen geändert. Künftig stehen am Landeplatz eine Startrollstrecke von 1.500 Metern, eine Startstrecke von 1.560 und eine Landestrecke von von 1.500 Metern sowie eine Startabbruchstrecke von 1800 Metern zur Verfügung. Der Zweck des Verkehrslandeplatzes ist nach wie vor der gewerbliche und nichtgewerbliche Luftverkehr am Tage und bei Nacht.

Bereitstellung der Co-Finanzierungsmittel beschlossen
Der Kreistag Borken hat in 2004 die Bereitstellung der Co-Finanzierungsmittel in Höhe von 2,5 Mio. Euro beschlossen. Die neue nordrhein-westfälische Landesregierung hat kurz nach ihrer Amtsübernahme erklärt, dass sie die entsprechenden Landesmittel nach der für den Herbst 2005 erwarteten Baugenehmigung kurzfristig bereitstellen wird.

Diplomarbeit beschäftigt sich mit dem Verkehrslandeplatzes Stadtlohn / Vreden
Im Jahr 2005/6 hat Herr Jan König eine Diplomarbeit mit dem Tiltel "Die wirtschaftliche Bedeutung des Verkehrslandeplatzes Stadtlohn / Vreden"  angefertigt. Der folgende Text ist ein Auszug daraus, der sich mit der Bedeutung des Wirtschaftsstandortes VLP Stadtlohn-Vreden befasst:
" 8. 3 Fazit
Der individuelle Geschäftsreiseverkehr mit kleinem Fluggerät ist ein wichtiges Element in der europäischen wirtschaftlichen Arbeitsteilung. Es sind zum größten Teil Flugziele abseits der großen Linienverbindungen und der Qualitäts- und Zeitverlust der Massenmobilität, die die Inanspruchnahme eines Taxifluges begünstigen (vgl. ALLEMEYER et al. 2000, S. III-1). Auf Grund neuer EU-weit geltender Sicherheitsstandards (JAR-OPS 1 seit dem 01.10.1999) ist jedoch die vorhandene Infrastruktur - wie etwa die Länge und Breite der Start- und Landebahn - bei vielen Verkehrslandeplätzen nicht ausreichend. Dadurch musste dieses Segment des Luftverkehrs zum größten Teil eingestellt werden.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Bedeutung des Luftverkehrs im allgemeinen und speziell die des individuellen Geschäftsreiseverkehrs für die im Untersuchungsraum ansässigen Unternehmen zu ermitteln und darzustellen. Aus diesem Grund wurde zunächst eine schriftliche Unternehmensbefragung vorgenommen und darauf aufbauend wurden vertiefende Expertengespräche geführt.
In der Bilanz ergibt sich ein positives Entwicklungspotenzial für die kommerzielle Fliegerei am Verkehrslandeplatz Stadtlohn-Vreden. Dies lässt sich zum einen an der bisher erbrachten Verkehrsleistung und zum anderen an der mit Hilfe der Befragung ermittelten Zustimmung zur zukünftigen Nutzung durch die Unternehmen festmachen. An dieser Stelle soll noch einmal auf die ermittelte unerwartet hohe Bedeutung des Luftverkehrs für Geschäftsreisen für die in der Region ansässigen Unternehmen hingewiesen werden. Hier wird anhand der Anzahl der getätigten Flüge und der weltweit verteilten Zielorte deutlich, was die Verkehrsart Luftverkehr an Bedeutung und Potenzial für die Unternehmen darstellt. Ohne die Möglichkeit, weit entfernte Absatzmärkte zu bedienen und globale Kundenkontakte zu pflegen, wäre die lokale Wirtschaft bei weitem nicht so konkurrenzfähig. Eine Anpassung der Start- und Landebahn auf 1.800 m an die von der EU erlassenen JAR-OPS 1-Sicherheitsstandards - und infolgedessen die mögliche Wiederaufnahme des Taxiflugverkehrs sowie die Nutzung des eigenen Fluggerätes für Geschäftsreisen - hätte für die Region und die ansässige Wirtschaft somit umfassende positive Auswirkungen.
Der Verkehrslandeplatz selbst ist durch seine periphere Lage im eher strukturschwachen westlichen Münsterland und den angrenzenden Niederlanden einer geringen Wettbewerbs- und Konkurrenzsituation ausgesetzt. Er stellt momentan einen regionalen Schwerpunkt in der dezentralen Luftverkehrs-Infrastruktur Nordrhein-Westfalens dar. Negativ zu bewerten ist allerdings, dass er von vielen Unternehmen bisher noch nicht als Alternative zum sonst bevorzugten Linienangebot der großen Verkehrsflughäfen gesehen wird. Jedoch lässt die positive Einschätzung bezüglich einer zukünftigen Nutzung durch gut 50 % der Unternehmen (potenzielle Neu-Nutzer) einen Ausbau der Infrastruktur als lohnenswert erscheinen, auch wenn nicht alle der Unternehmen später auf den Platz und seine Angebotsstruktur zurückgreifen werden.
Auch die Lagebedingungen vor Ort bieten gute Voraussetzungen bzgl. des Ausbaus und der intensivierten Nutzung. Von technischer Seite stehen einer Verlängerung der Start- und Landebahn von gut 350 m in jede Richtung kaum Hindernisse entgegen. Auch die Eigentumsverhältnisse auf den betroffenen Flächen stellen sich im Gegensatz zur Situation bei zahlreichen anderen Infrastrukturmaßnahmen im Luftverkehr eher unproblematisch dar. Die Realisierung des in unmittelbarer Nähe geplanten Gewerbegebietes würde bei einer entsprechenden Vermarktung den gesamten Standort aufwerten und attraktiv für entsprechende Unternehmen aus der ganzen Region machen. Und genau dieser Standortvorteil muss in die regionale Wirtschaftsplanung und die Akquirierung neuer Unternehmen mit einfließen.
Sollten dagegen wider Erwarten die Genehmigungen für einen Ausbau versagt werden, droht dem Verkehrslandeplatz ein immenser Bedeutungsverlust: er würde auf lange Zeit keinerlei Rolle mehr im gewerblichen Luftverkehr in Nordrhein-Westfalen spielen. Im schlimmsten Fall könnte dies das komplette Aus für den individuellen Geschäftsreiseverkehr im westlichen Münsterland bedeuten.
Abschließend ist zu sagen, dass der Ausbau des Verkehrslandeplatzes Stadtlohn-Vreden das Potenzial in sich birgt, positive Impulse für die Region zu generieren. Am treffendsten formuliert es Herr Peter Sonntag von der Kreisverwaltung in Borken: "Der Verkehrslandeplatz Stadtlohn-Vreden stellt einen bedeutenden Baustein in der wirtschaftlichen Infrastruktur der Region dar. Und wenn es gelingt, diesen Baustein plus minus null, d. h. ohne Zuschüsse, denn durch das hohe Verkehrsaufkommen trägt er sich selbst, anzubieten, dann hätten wir eine Menge geschafft. Das ist das Ziel und es scheint durchaus realistisch erreichbar" (SONNTAG 2006, Expertengespräch). "
Aus: (König, Jan (2006): Der Verkehrslandeplatz Stadtlohn-Vreden - Bedeutung für die regionale Wirtschaft aus Unternehmersicht. Unveröffentlichte Diplomarbeit. Münster.)

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