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IHK-Präsident Dr. Benedikt Hüffer
24. Januar 2012
IHK-Initiative zum Doppel-Abitur 2013 startet
Zusätzliche Lehrstellen für Abiturienten
Münsterland/Emscher-Lippe-Region. - Auf die Abiturienten des Doppeljahrgangs 2013 warten nicht nur überfüllte Hörsäle und verschärfte Zulassungsbedingungen an den Hochschulen. „Die regionale Wirtschaft bietet ihnen als Alternative attraktive Ausbildungsplätze mit interessanten Karrierechancen.“ Das versprach der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen, Dr. Benedikt Hüffer heute (24. Januar) beim Startschuss der IHK-Initiative „Nord-Westfalen. Doppelt stark“.
2013, wenn in Nordrhein-Westfalen zwei Abiturjährgänge gleichzeitig entlassen werden, drängen allein im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region 18.000 Abiturienten auf den Studien- und Ausbildungsmarkt – 8.500 mehr als es 2012 sein werden. „Nie wieder stehen so viele qualifizierte Schulabgänger vor der Entscheidung: Studium oder Ausbildung“, erklärte IHK-Präsident Hüffer und sprach von einer „fast historischen Chance“ für Unternehmen, sich dringend benötigte Fachkräfte durch Ausbildung zu sichern. Hüffer: „Mit dem Doppelabiturjahrgang haben die Unternehmen letztmalig die Möglichkeit, aus dem Vollen zu schöpfen. Danach gehen die Schülerzahlen drastisch zurück.“
Zwei Hauptaufträge hat die Initiative. Zum einen unterstützt sie die Betriebe dabei, zusätzliche Ausbildungsplätze für Abiturienten zu schaffen. „Das darf aber unter gar keinen Umständen zu Lasten des Lehrstellenangebotes für Haupt- und Realschüler gehen“, erklärte Hüffer ganz deutlich und versicherte: „Kein Schüler darf wegen des Doppel-Abiturs auf der Straße stehen.“
Zum anderen hat „Doppelt stark“ das Ziel, dass Abiturienten die berufliche Ausbildung stärker als eine attraktive Alternative zum Hochschulstudium wahrnehmen und in ihrer Berufswegplanung berücksichtigen. Der vorherrschende Automatismus „erst Studium, dann Beruf“ müsse durchbrochen werden, so Hüffer. „Man muss nicht erst studieren, um Berufskarriere zu machen“, formulierte der IHK-Präsident die zentrale Botschaft der Initiative an die Abiturienten. Besonders interessant für sie sei, die betriebliche Lehre mit einer Hochschulausbildung in einem Dualen Studium zu kombinieren. Durch die Verzahnung von betrieblicher Praxis und wissenschaftlicher Theorie in der Ausbildung eröffneten sich den Absolventen sehr gute Aufstiegschancen. Auch das neue IHK-Modell „AusbildungKompakt“, das die Lehre mit einer Weiterbildung kombiniert, bereite Berufsstarter gezielt auf Führungsaufgaben vor.
IHK-Hauptgeschäftsführer Schulte-Uebbing warnte vor einer zunehmenden Akademisierung der Berufswelt und der Gefahr „am Markt vorbeizustudieren“. In den Unternehmen wisse man längst, dass angehende Führungskräfte aus der beruflichen Bildung für viele Aufgaben genauso gut qualifiziert seien wie diejenigen aus der Hochschule. „Dazu passt, dass Unternehmen mehr Praktiker, also Fachwirte und Meister für die mittlere Führungsebene suchen als Hochschulabsolventen“, verwies Schulte-Uebbing auf die Ergebnisse einer Umfrage der IHK Nord Westfalen aus dem vergangenen Jahr. 500 Unternehmen waren dazu befragt worden.
„Wir wollen Unternehmen und Abiturienten mit ‚Doppelt stark’ zusammenbringen“, erklärte der IHK-Hauptgeschäftsführer weiter. Ein zentrales Instrument dafür sind die Azubi-Speed-Datings der IHK. Nach der erfolgreichen Premiere 2011 in Münster werden in diesem Jahr in allen Kreisen und kreisfreien Städten des Regierungsbezirks Münster Azubi-Speed-Datings durchgeführt, kündigte Schulte-Uebbing an. Die Regeln sind einfach: Zehn Minuten haben Jugendliche Zeit, sich bei einem Unternehmen zu präsentieren und selbst einen Eindruck vom künftigen Arbeitgeber zu gewinnen. Dann wird gewechselt. Bis zu zehn Vorstellungsrunden kann ein Schüler an einem Nachmittag schaffen. „Viel effektiver kann man als Unternehmer bei der Azubi-Suche und als Schüler bei der Lehrstellensuche nicht vorgehen“, sagte Schulte-Uebbing.
Für Schulte-Uebbing ist die Initiative zum Doppel-Abitur „nachhaltige Wirtschaftsförderung par excellence“ für die Region. „Wir wollen verhindern, dass Abiturienten, also die Fachkräfte von morgen, die Region verlassen“, sagte er und ergänzte: „Um die Standortattraktivität und den Fachkräftebedarf zukünftig zu sichern, können wir es uns nicht erlauben, das zusätzliche Ausbildungspotenzial durch den Doppelabiturjahrgang ungenutzt zu lassen.“ Der Hauptgeschäftsführer verwies dabei auf die demografische Entwicklung im IHK-Bezirk mit einem prognostizierten Bevölkerungsrückgang von 4,2 Prozent zwischen 2008 und 2030. Allein die Altersgruppe der 16- bis 60-Jährigen werde in dem Zeitraum um rund 300.000 schrumpfen. Schulte-Uebbing: „Angesichts dieser Zahlen können die Unternehmen heute gar nicht über Bedarf ausbilden.“
- Grafik: Entwicklung der Schulabgängerzahlen in Nord-Westfalen (
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