IHK Nord Westfalen

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Dienstag, 22.05.2012

Seiten-Nummer: N04017

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27. Dezember 2011

Energie- und Rohstoffsicherung ist IHK-Jahresthema 2012

Mit Zuversicht ins das neue Jahr

Münsterland/Emscher-Lippe-Region. – Die regionale Wirtschaft geht zuversichtlich in das neue Jahr. Der konjunkturelle Schwung hat nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen zwar auch im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region vorerst nachgelassen, aber: „Wir haben die alte Wirtschaftskraft wieder erreicht“, betonen IHK-Präsident Dr. Benedikt Hüffer und IHK-Hauptgeschäftsführer Karl-Friedrich Schulte-Uebbing und sind sich einig: „Wir werden auf diesem hohen Niveau weiter wachsen, wenn auch nur schwach.“

2011 war für die nord-westfälische Wirtschaft „ein gutes Jahr“ resümiert die IHK-Spitze in ihrem Grußwort zum Jahreswechsel. Unter dem Strich steht nach ihrer Einschätzung ein Wachstum von etwa drei Prozent. Trotz zunehmender Risiken habe der Aufschwung Durchhaltevermögen bewiesen und beispielsweise den Industrieumsatz etwa auf das Vorkrisenniveau gezogen. Vor allem das Exportgeschäft sorgte erneut für gute Zahlen. In den ersten drei Quartalen erzielte die Industrie bei den Auslandsumsätzen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von 21 Prozent.

Im neuen Jahr wird sich das Wachstum auf unter einem Prozent einpendeln, schätzen Hüffer und Schulte-Uebbing. „Es sind nicht nur die Unwägbarkeiten der Euro-Krise oder die öffentliche Verschuldung, die die Wachstumsaussichten drücken“, erläutern sie. „Steigende Energie- und schwankende Rohstoffpreise bereiten den Unternehmen zunehmend Sorgen“, wissen sie aus Gesprächen und Umfragen bei den Unternehmen in der Region. Mit dem Jahresthema „Energie und Rohstoffe für morgen“ wird die IHK-Organisation deshalb 2012 bundesweit verdeutlichen, wie wichtig eine zuverlässige Versorgung mit Energie und Rohstoffen zu wettbewerbsfähigen Preisen für den weiteren Erfolg unserer Volkswirtschaft ist.

Doch auch das Schwerpunktthema des vergangenen Jahres wird die IHK Nord Westfalen weiter intensiv beschäftigen: „Fachkräfte sichern – das ist zur Daueraufgabe geworden“, betonen Präsident und Hauptgeschäftsführer. Deshalb will die IHK die Unternehmen weiter dabei unterstützen, die oftmals verkannten Karrierechancen in der dualen Berufsausbildung besser zu vermitteln. Denn: „Die regionale Wirtschaft braucht nicht nur Hochschulabsolventen für besondere Führungs- und Fachaufgaben, sondern auch die fachlich versierten, praktisch ausgebildeten Frauen und Männer, die die Produktion am Laufen halten und Praxiswissen in die Führungsebene mitnehmen“, so die IHK-Spitze.

Das zeigt auch eine Umfrage der IHK Nord Westfalen bei 500 Unternehmen im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region. Danach suchen die Betriebe derzeit vor allem Fachwirte und Meister (42 Prozent). Erst dann folgen Fachkräfte mit Bachelor oder Fachhochschulabschluss (37,6 Prozent). Absolventen der dualen Berufsausbildung (34,4 Prozent) liegen sogar noch vor denen mit Master oder Universitätsabschluss (32,5 Prozent).

Um mehr Schulabgänger über die Karrierechancen in der dualen Berufsausbildung zu informieren, unterstützt die IHK eine bessere Berufsorientierung in den Schulen. Beispielsweise mit Lehrerseminaren und dem in 2011 gestarteten IHK-Projekt „Partnerschaft Schule – Betrieb“. Bereits 32 offizielle Kooperationsverträge zwischen Unternehmen und Schulen wurden unterzeichnet. Aber die Unternehmen müssten auch das gewachsene Spektrum der Ausbildungsangebote voll nutzen, um passende Bewerber auf sich aufmerksam zu machen, so IHK-Hauptgeschäftsführer Schulte-Uebbing.

Zu einer höheren Attraktivität der dualen Berufsausbildung trage unter anderem das neue Modell „AusbildungKompakt“ bei, das in vier Jahren ohne Zwischenstopp zum IHK-Fachwirt oder –Industriemeister führt. Es gehöre mit „AusbildungPur“, der klassischen Lehre, und der „AusbildungHoch2“ (Duales Studium) zum neuen „Dreiklang der Ausbildungsmöglichkeiten“, der für Schulte-Uebbing zeigt: „Die duale Berufsausbildung bietet für jeden das Richtige, vom eher praktisch begabten Jugendlichen bis zum Abiturienten.“

Mit neuen Instrumenten wie dem Azubi-Speed-Dating hat die IHK 2011 die Vermittlung von Nachwuchskräften zudem beschleunigt. Im neuen Jahr will sie diesen Kurs fortsetzen, dieses Veranstaltungsformat ausbauen und den Unternehmen unter anderem eine völlig modernisierte Lehrstellenbörse zur Verfügung stellen.

Wie sehr den Unternehmen das Thema Nachwuchskräfte unter den Nägeln brennt, zeigt der IHK auch die Zahl der neu eingetragenen Lehrverträge. Bereits Anfang Dezember lag sie mit 10.735 Verträgen „schon deutlich über dem hervorragenden Gesamtergebnis des Vorjahres“ (10.410). Besonders in den industriell-technischen Berufen haben die Unternehmen mehr Lehrverträge geschlossen. Hier verzeichnet die IHK ein Wachstum von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Das ist gleichzeitig ein klares Bekenntnis der Unternehmen, den Industriestandort Nord-Westfalen zu stärken“, erläuterte Hüffer. Die Zahlen sieht der IHK-Präsident in engem Zusammenhang mit der im vergangenen Jahr gestarteten Akzeptanzoffensive der nord-westfälischen Industrie, der sich inzwischen rund 200 Unternehmen angeschlossen haben.

Große Sorgen bereitet dem IHK-Präsidenten weiterhin die Finanzlage der Kommunen in Nord-Westfalen, die durch zahlreiche Gewerbesteuererhöhungen direkte Auswirkungen auf die Wirtschaft habe. „Trotz guter Konjunktur konnten die allermeisten Kommunen ihre Haushalte nicht ausgleichen", betonte Hüffer. Es müsse möglichst schnell geklärt werden, was überhaupt Aufgaben einer Kommune sind. „Nur dann lassen sich auch die Ausgaben begrenzen", unterstrich der IHK-Präsident und forderte: „Bund, Land und Kommunen müssen sich an einen Tisch setzen und vereinbaren, was wir uns noch leisten können und wollen."

Dass die IHK Nord Westfalen 2011 insgesamt als gutes Jahr verbucht, liegt nicht zuletzt auch an der absehbaren Einigung bei zwei zentralen Verkehrsprojekten: „Sowohl der nun möglich gewordene Ausbau der Autobahn 52 hinter Gelsenkirchen als auch der Kompromiss, der bei der Verlängerung der Startbahn am Flughafen Münster/Osnabrück gefunden wurde, erhöhen die Standortqualität und sind für die wirtschaftliche Entwicklung der Region von großer Bedeutung“, so Hüffer. Aus Sicht der regionalen Wirtschaft gehörten die beiden Entscheidungen „sicher zu den Höhepunkten in 2011“.

Fotos/Bildzeile:

IHK-Präsident Dr. Benedikt Hüffer und IHK-Hauptgeschäftsführer Karl-F. Schulte-Uebbing gehen zuversichtlich in das neue Jahr.

Fotos: Mensing/IHK Nord Westfalen

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