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02. November 2011
„Berufliche Bildung hat akademischen Wert“
1. Bildungspolitischer IHK-Kongress in Münster
Münsterland/Emscher-Lippe-Region. – „Berufliche und akademische Ausbildung sind gleichwertig“. Daran bestehen für den nordrhein-westfälischen Arbeitsminister Guntram Schneider trotz des derzeitigen Ansturms auf die Hochschulen keine Zweifel. Beim ersten bildungspolitischen Kongress der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen betonte er heute (2. November) in der Studentenhochburg Münster, dass „Nordrhein-Westfalen als Bildungsstandort nur attraktiv sein kann, wenn wir auch die hohe Qualität der beruflichen Bildung anerkennen und herausstellen.“ Schneider verwies auf die Studie „Berufswertigkeit konkret“. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass angehende Führungskräfte aus der beruflichen Fortbildung im Hinblick auf die am Arbeitsmarkt erforderlichen Kompetenzen genauso gut qualifiziert sind wie diejenigen aus den Hochschulen.
IHK-Hauptgeschäftsführer Karl-Friedrich Schulte-Uebbing, der die grundlegenden Interessen der regionalen Wirtschaft vertrat, wurde noch konkreter: „Wir brauchen nicht nur Akademiker für besondere Führungs- und Fachaufgaben, sondern auch die fachlich versierten, praktisch ausgebildeten Frauen und Männer, die die Produktion am Laufen halten und Praxiswissen in die Führungsebene mitnehmen.“ Er warnte angesichts der zunehmenden Akademisierung, die „von der Politik gefördert und durch den Doppelabitur-Jahrgang 2013 beflügelt wird“ davor, den Nachwuchs an den Bedürfnissen der mittelständischen Unternehmen vorbei auszubilden. „Lehre plus Weiterbildung macht nicht nur den Weg frei für eine Karriere, sondern ebnet auch den Weg zum Studium für den, der es machen will!“
Darauf deutet auch eine Umfrage der IHK Nord Westfalen bei 500 Unternehmen im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region hin. Danach suchen die Betriebe derzeit vor allem Fachwirte und Meister (42 Prozent). Erst dann folgen Fachkräfte mit Bachelor oder Fachhochschulabschluss (37,6 Prozent). Absolventen der dualen Berufsausbildung (34,4 Prozent) liegen sogar noch vor denen mit Master oder Universitätsabschluss (32,5 Prozent).
„Das Abschneiden Deutschlands bei internationalen Rankings zu Studierenden- und Abi-Quoten verwischt aus deutscher Sicht die tatsächlich erarbeiteten Leistungen“, betonte Schulte-Uebbing. „Jugendliche, die hierzulande eine Lehre machen und anschließend ihren Meister oder Fachwirt, gehören im internationalen Vergleich zu den besten Fachkräften und sind Hochschulabsolventen in Teilbereichen sogar überlegen.“ Das werde ihm bei zahlreichen Unternehmensbesuchen immer wieder bestätigt.
Zudem hätten insbesondere die mittelständischen Industriebetriebe der Region andere Anforderungen an ihre Fachkräfte. „Und wenn man nicht riskieren will, dass diesem Motor unserer Wirtschaft die Fachkräfte ausgehen, müssen wir die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung noch stärker herausstellen und die berufliche Bildung auch für die qualifiziertesten Schulabgänger noch attraktiver gestalten“, forderte Schulte-Uebbing. IHK-Angebote wie AusbildungKompakt, bei dem die Lehre mit direkt anschließender Fortbildung in nur vier Jahren zum Meister oder Fachwirt führt, sowie Duale Studiengänge, die betriebliche Ausbildung und Hochschulstudium kombinieren, eröffneten den Unternehmen die Möglichkeit dazu.
Für die Gewerkschaften nannte der DGB-Vorsitzende der Emscher-Lippe-Region Dr. Josef Hülsdünker drei wichtige Baustellen der beruflichen Bildung: „Vor allem in der Emscher-Lippe Region brauchen wir deutlich mehr Ausbildungsstellen. Dass es dieses Jahr weniger sind als letztes Jahr ist besorgniserregend. Außerdem müssen wir die Qualität der Ausbildung in zahlreichen Ausbildungsbetrieben nachprüfbar verbessern, um die Gleichwertigkeit von dualen Berufsabschlüssen mit dem Abitur unter Beweis zu stellen."
Reiner Zwilling, Leiter der Agentur für Arbeit Münster, brach eine Lanze für das Duale Studium. Die Mischung aus Theorie und betrieblicher Praxis sei für Abiturienten sehr attraktiv. Das beweise die große Nachfrage. „Das Duale Studium ist der richtige Weg, hochqualifizierte Fachkräfte an die Region zu binden“, sagte Reiner Zwilling. Allerdings werde die Latte für den Zugang von den Unternehmen oft zu hoch gehängt. Es bringe nichts, nur auf Einser-Kandidaten zu warten. Denn diese zögen meist ein reines Hochschulstudium vor. Auch Kandidaten ohne olympiareifen Abiturschnitt sollten die Betriebe eine Chance geben. „Man muss jungen Menschen zugestehen, dass sie sich auch nach dem Schulabschluss noch weiter entwickeln“, betonte der Agenturleiter.
Bildzeile:
v.l. Karl-Friedrich Schulte-Uebbing, Hauptgeschäftsführer IHK Nord Westfalen, Arbeitsminister Guntram Schneider, Dr. Norbert Thiemann, Chefredakteur Westfälische Nachrichten, Dr. Josef Hülsdünker, DGB-Vorsitzender, Reiner Zwilling, Leiter der Agentur für Arbeit
- Gruppenfoto: Bildungspolitischer IHK-Kongress am 02.11.2011 (
Bild, 1.6 MB)
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