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Montag, 21.05.2012

Seiten-Nummer: P01015

.Initiative "Industrie in Münster"

Agenda 2015

Die Zukunft mit Industrie gestalten

Münster ist eine Industriestadt! Die Dom-, Universitäts- und Beamtenstadt, die als Dienstleistungs-Oberzentrum für das ganze Münsterland und darüber hinaus fungiert, ist auch ein Industriestandort. Das wird häufig übersehen. Dabei sind die Industrieunternehmen für die Entwicklung Münsters von weitaus größerer Bedeutung, als es ihre Anzahl oder ihr vergleichsweise niedriger Anteil an der Beschäftigtenzahl insgesamt erahnen lassen.

Für die Zukunft der Stadt ist es geradezu gefährlich, dass die Industrie in Münster in der öffentlichen Wahrnehmung und der politischen Diskussion eher eine untergeordnete Rolle spielt. Die Industrie hat auch in einer wachsenden Dienstleistungsgesellschaft für die Wirtschaft insgesamt einen hohen Stellenwert: 

  • es gibt eine starke Vorleistungsverflechtung zwischen Industrie- und Dienstleistungssektor
  • nur gemeinsam können Industrie- und Dienstleistungsunternehmen die innovativen Güter und Dienstleistungen produzieren und leisten, die für mehr Wachstum in einer modernen Dienstleistungsgesellschaft benötigt werden die Nettowertschöpfung pro Arbeitsplatz hat den höchsten Wert aller Sektoren in Industrieunternehmen werden überdurchschnittlich viele junge Menschen ausgebildet
  • Industrieunternehmen tragen überdurchschnittlich zur Stabilisierung der kommunalen Finanzen bei
  • die Industrie birgt das größte Innovationspotenzial, dessen Nutzung beständig für technologischen Fortschritt sorgt
  • durch neue Arbeitsplätze in der Industrie werden neue Arbeitsplätze in Dienstleistungsunternehmen initiiert; umgekehrt gilt dieser Zusammenhang nicht

Die Industrie hat also eine Hebelwirkung für die gesamte Wirtschaft. In Münster folgen 100 neuen „industriellen Arbeitsplätzen" 62 weitere Beschäftigungsmöglichkeiten. Das sind wichtige Impulse für Wachstum und Beschäftigung auch bei Handel und Dienstleistungen. Nicht zuletzt steigern die Vielfalt der Arbeitsmöglichkeiten und die Internationalität der Industrieunternehmen als „Fenster zur Welt" auch die Lebensqualität in der Stadt.

Deshalb brauchen wir in Münster eine dauerhaft stabile industrielle Basis in Höhe von 20 Prozent der Beschäftigten. Dieses Ziel muss bis 2015 erreicht werden.

Doch die industrielle Entwicklung war in den letzten Jahren rückläufig. Der ohnehin geringe Anteil der Arbeitsplätze sank von 23 Prozent in 1990 auf 17 Prozent in 2004.

Die Erosion der Industriesubstanz muss gestoppt und ein neues „Klima für mehr Industrie" geschaffen werden. Die Voraussetzungen dafür sind in Münster günstig. Die natürliche Standortgunst für Industriebetriebe ist sowohl im Vergleich zu NRW, als auch zu anderen Vergleichsstädten hoch. Insbesondere durch die hohe Lebensqualität, das Ambiente als Kunst- und Kulturstadt, aber natürlich auch durch Universität und die Fachhochschulen und die damit verbundenen Möglichkeiten, hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte zu gewinnen. Diese Zukunftspotenziale werden aber noch nicht ausreichend genutzt. Deshalb fordern die in der „Industrie in Münster" vereinten Unternehmen:

Aktive Industriepolitik

1. Wir brauchen ein klares Bekenntnis zur Industrie, die Sensibilisierung von Bevölkerung und Politik für die Bedeutung und Leistungskraft der Industrie in dieser Stadt: eine neue und aktive Industriepolitik als Motivation für Zukunftsinvestitionen.

Verzahnung mit der Wirtschaftsförderung

2. Industrie, Wirtschaft, Stadtpolitik und Wirtschaftsförderung müssen stärker miteinander verzahnt und stabile Strukturen für eine offene Kommunikation untereinander geschaffen werden.

Ausreichende Flächen

3. Zwar sind in Münster auf das Stadtgebiet verteilt Gewerbe- und Industriegebiete in unterschiedlicher Qualität vorhanden. Unter dem Strich besteht jedoch ein Flächenmangel - insbesondere für flächenintensives, großbetriebliches Gewerbe und Industrie. Es müssen dringend attraktive und preiswerte Industrieflächen erschlossen werden. Das gilt vor allem für den geplanten Standort Amelsbüren. Hier muss der Bebauungsplan beschlossen und der direkte Anschluss an die Autobahn hergestellt werden. Auch die preistreibende „Gewerbe-im-Park-Ideologie" muss verhindert werden. Die Grundstückspreise müssen konkurrenzfähig sein und dürfen 30 - 35 Euro nicht übersteigen.

Sparsame Haushaltspolitik

4. Die solide und sparsame Haushaltspolitik muss fortgesetzt werden. Steuern, Gebühren und Abgaben sind harte Standortfaktoren. Sie dürfen nicht weiter erhöht werden. Privatisierungsmöglichkeiten sollten stärker ausgelotet werden. Vor allem bei der Ver- und Entsorgung muss die Wirtschaft schon früh in die Planungsprozesse einbezogen werden. Auch Formen der Zusammenarbeit von öffentlicher Hand und Privatwirtschaft (public private partnership) sind zu prüfen.

Leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur

5. Die Verkehrsanbindung ist insgesamt gut, aber auch Gutes kann und muss noch verbessert werden:

  • Der Flughafen Münster/Osnabrück ist die Drehscheibe für schnelle Verbindungen zu allen Regionen dieser Welt. Er muss ausgebaut werden. Das gilt für die Verlängerung der Start- und Landebahn, den direkten Anschluss an die Autobahn A 1 und den Airport-Park.
  • Die Umgehungsstraße (B 51) muss umgehend vierspurig bis zur Warendorfer Straße ausgebaut und der Netzanschluss zum Schiffahrter Damm hergestellt werden.
  • Die Herstellung einer leistungsfähigen Straßenverbindung zwischen Münster und Ostwestfalen sowie der Stadt Bielefeld hat höchste Priorität. Da die große Lösung (Weiterführung der A 43 bis zur A 2) offensichtlich nicht mehr zu erreichen ist, gilt es jetzt, die B 51 zwischen Münster und Telgte und die B 64 n zwischen Telgte und Rheda-Wiedenbrück auszubauen.
  • Auch die bestehenden Ausbaulücken im Zuge der B 67 n und der B 54 n müssen endlich geschlossen werden, um leistungsfähige Verbindungen zum westlichen Münsterland und den Niederlanden zu schaffen.
Bildung und Forschung

6. Münster hat das Potenzial, zum Bildungsstandort Nummer 1 in Deutschland zu werden. Mit Universität, Fachhochschulen, Akademien, einem hochwertigen und differenzierten schulischen Angebot und umfassenden Möglichkeiten der beruflichen Aus- und Weiterbildung gibt es Vielfalt, Qualität und strategisches Entwicklungspotenzial. Denkbar gute Voraussetzungen sind vorhanden, um junge Menschen bestmöglich zu fördern und zu fordern, ihnen gute Berufs- und Lebensgrundlagen zu schaffen, einen intensiven Austausch zwischen Theorie und Praxis, Schule, Hochschule, Wirtschaft und Unternehmen zu pflegen und ein qualifiziertes Fach- und Führungskräftepotenzial für die Wirtschaft zu sichern. Dennoch gibt es erhebliche Defizite im Bildungswesen. Die Ausbildungsfähigkeiten vieler Schulabsolventen reichen nicht aus. Defizite bestehen vor allem bei Lese-, Rechtschreib- und Rechenfertigkeiten. Auch das Sozialverhalten ist häufig verbesserungsfähig. Mathematisch-naturwissenschaftliche Kenntnisse sind im internationalen Vergleich nur Mittelmaß. Naturwissenschaft und Technik genießen geringe Wertschätzung. Auch Ökonomie als Unterrichtsfach, Praxiskontakte, Berufsorientierung und das Übergangsmanagement von Schule und Beruf sind ausbaufähig. Vor allem bei der Ausbildung und Beschäftigung in technischen Berufen klagt die Industrie über Nachwuchsmangel.

Entbürokratisierung

7. Entbürokratisierung, Vereinfachung der Entscheidungswege und zügige Abwicklung der Bewilligungsverfahren sind wichtige Voraussetzungen für den Wirtschaftsstandort Münster. Das Versprechen von Stadt und Wirtschaftsförderung muss eingelöst und das Ergebnis dokumentiert werden. Die Wirtschaftsförderung muss für alle kommunalen Wirtschaftsfragen als so genannter „one stop-shop" für Unternehmen agieren und weitere relevante Institutionen in die notwendigen Verwaltungsabläufe einbinden.

Bestandspflege

8. Bestandspflege ist eine Bringschuld der Wirtschaftsförderung: Nicht selten war in der Vergangenheit der Verlust oder die Verlagerung von expandierenden Unternehmen die Folge einer fehlenden intensiven Zusammenarbeit und des Mangels an geeigneten Gewerbeflächen.

Offensives Standortmarketing

9. Die Wirtschaftsförderung muss den Standort Münster offensiv vermarkten und gezielte Akquisition bei Unternehmen betreiben. Dabei sollten nicht Wertschöpfungskette oder Clusterbildung im Vordergrund stehen. Alle Chancen für Neuansiedlungen müssen konsequent genutzt werden. Die Präsenz auf der „Expo Real" ist für das Standortmarketing aus Sicht der Industrie besonders wichtig.

Potenzial für Unternehmensgründungen nutzen

10. Auch Existenz- und Unternehmensgründungen können den Markt beleben und neue Chancen eröffnen. Hier muss die Wirtschaftsförderung die vorhandenen Potenziale nut-zen und im Netzwerk agieren.

Die Unternehmensinitiative „Industrie in Münster" steht für eine gute und enge Zusammenar-beit in und mit der Stadt Münster weiterhin zur Verfügung und ist bereit, ihren aktiven Beitrag für die Umsetzung der oben genannten Maßnahmen und die Erreichung der Ziele zu leisten.

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Brigitte Aguilar

Brigitte Aguilar

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