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Montag, 21.05.2012

Seiten-Nummer: P03405

.Nahversorgung im Münsterland

Nahversorgung im Münsterland

Seit Langem verlagert sich beim Einzelhandel die Angebotsform von kleinen „Tante-Emma-Läden“ hin zu größeren Betrieben. Diesen Unternehmen ist es wichtig, dass ihre Niederlassungen gut an den Verkehr angebunden sind und es genügend Kundenparkplätze gibt. Auch im Münsterland werden immer wieder autogerechte Standorte außerhalb des Innenstadtbereiches für solche Betriebe aus der Lebensmittelbranche, aber auch mit anderen Sortimenten, die typischerweise in der Innenstadt angeboten werden, nachgefragt. Durch den Expansionsdrang der Unternehmen stehen die Städte und Gemeinden aber vor der schwierigen Aufgabe, sowohl die Versorgung der Bevölkerung zu sichern als auch wirtschaftliche Strukturen nicht zu gefährden.

Veränderungen in der Einzelhandelsstruktur

In vielen Wohngebieten sind nahezu alle kleinen traditionellen Versorgungsstrukturen im Lebensmittelbereich verschwunden. Sogar in kleineren Orten habe der altbewährte „Tante-Emma-Laden“ um die Ecke den 400 Quadratmeter-großen Supermärkten weichen müssen. Der Trend geht zum Superlativ: Selbst die 400 Quadratmeter-Läden werden durch Niederlassungen mit einer Verkaufsfläche von 1200 Quadratmetern abgelöst. Läden in dieser Größenordnung brauchen Platz – und weil der oftmals außerhalb der Wohngebiete liegt, können immer weniger Menschen ihren Bedarf an Lebensmitteln und Getränken auf dem Fußweg decken. Weil die Wege weiter geworden sind, können Menschen ohne Auto dann nicht mehr selbst einkaufen gehen. In einigen Ortsteilen bzw. Stadtvierteln des Münsterlandes besteht keine ortsnahe Lebensmittelkomplettversorgung mehr. Die Städte und Gemeinden haben hierauf nur einen vergleichsweise geringen Einfluss. Auch das Einkaufsverhalten verändere sich, so Johannes Höing aus der Abteilung Handel und Verkehr der IHK Nord Westfalen. „Durch eine breitere Angebotspalette und eventuelle Preisvorteile sind diese Geschäfte bei den Kunden beliebt.“ Deswegen sei der Großteil der Bevölkerung auch dazu bereit, zum Einkaufen in die Nachbarstädte zu fahren. „Die zunehmende Mobilität ist ein Hauptgrund für den Bedeutungsverlust der wohnungsnahen Nahversorger“, weiß Höing.

Stand der Dinge

Die Städte und Gemeinden haben die Aufgabe, die wohnungsnahe Grundversorgung zu ermöglichen, damit der tägliche Bedarf in zumutbarer Entfernung abgedeckt werden kann. Problem ist aber der Mindesteinzugsbereich der Lebensmittelmärkte: Damit sich ein Laden in der Größenordnung von 1500 Quadratmetern wirtschaftlich rechnet, müsse die Basisbevölkerung rund 5000 Personen stark sein, so die Rechnung der Betreiber. Auf dem Land ist die Bevölkerung nicht so stark und auch in der Stadt gibt es Probleme, wenn der kleine Lebensmittelmarkt in Wettkampf mit der größeren Konkurrenz tritt und die Rolle des Innenstadt-Nahversorgers übernimmt. Zudem sind die Standortbedingungen der Discountmärkte in den Innenstädten ungünstig, weil der Bedarf an 900 bis 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche und an 80 bis 100 Kundenparkplätzen wegen zu hoher Grundstückspreise und nicht vorhandenen Grundstücksflächen nicht gedeckt werden kann.

Räumliche Planung

Das bauleitplanerische System in Deutschland ist nur indirekt auf Nahversorgung ausgerichtet. Das Hauptinstrument ist die Ausweisung von Flächen für Ansiedlungen. Wenn sich aber großflächige Niederlassungen in der Nähe kleinerer Lebensmittelläden ansiedeln, weicht die Nachfrage an den Waren der kleineren Läden zu Gunsten des großen Geschäfts. Damit wird den bestehenden Kleinversorgen die Existenzgrundlage entzogen, was wiederum zu Verdrängung führt. „Wollen wir eine weitere Schwächung der wohngebietsnahen Lebensmittelversorgung verhindern, sollten größere Ansiedlungen in Gewerbe- und Industriegebieten vermieden werden“, betont Höing. Das beträfe übrigens auch die Branchen Getränke- und Drogeriehandel.

„Die Grundversorgung in Stadtteilgebieten und insbesondere auf dem Land ist ein wichtiger Bestandteil der gesellschaftlichen Daseinsfürsorge“, so Höing. Um die Lebensverhältnisse gleichwertig zu halten, müsse dieses Ziel sichergestellt werden. Er betont: „Hier sind die Kommunen gefordert.“ Die meisten Stadtteilen und Dörfer seien nicht so stark bevölkert, als dass die Ansiedlung größerer Nahversorger möglich sei. Alternative Versorgungskonzepte könnten Abhilfe schaffen, müssten aber auf ihre Wirkung überprüft werden: Kleinflächige Lebensmittelanbieter mit maximal 300 Quadratmetern Verkaufsfläche,  Convinience-orientierte  Nachbarschaftsgeschäfte, Postagenturen, Trägervereine oder Lieferservices von ortsansässigen Anbietern, mobile Verkaufswagen oder Online-Supermärkte mit persönlicher Auslieferung könnten die Lösung des Problems bringen. Abgesehen von der gesicherten Nahversorgung könnten diese Modelle als zusätzliche Treff - und Mittelpunkte der Bevölkerung dienen und neben dem wirtschaftlichen auch den sozialen Aspekt bedienen.

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